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Anna Schimkat

Rezeption, Perzeption und Apperzeption. Das sind die drei Stufen der Wahrnehmung, wie sie Gottfried Wilhelm Leibniz im 17. Jhd in seiner Monadologie festhielt. Ein inneres Prinzip, welches er mit dem Begriff „Appetit“ beschreibt, ermöglicht den Wechsel oder den Übergang von einer Perzeption zur nächsten. Die Apperzeption ist die Stufe der Wahrnehmung, die das sinnlich Erfahrene aufmerksam behandelt, ins Bewusstsein erhebt und in einen Zusammenhang setzt, aus dem die Entscheidung zu einer Handlung folgen kann.

Das Hören ist eine sinnliche Erfahrung, der wir Menschen uns kaum entziehen können. Die Augen können wir schließen, die Ohren nur aktiv zuhalten. Das Hören ist untrennbar mit einem Situationsgespür verbunden, mit dem Erleben, Empfinden und (Selbst-)Wahrnehmen des Körpers und seiner Umgebung sowie dem Austausch zwischen den Menschen. Die Wahrnehmung des Raumes ist also immer verbunden mit dem Hörsinn. Wann aber erhebt sich die Perzeption des Gehörten aus dem subliminalen Rauschen und wird bewusster Vorgang? Wann wird die Empfindung des Raumes eine Empfindung des Menschen selbst?

Von der Bildhauerei herkommend ist mein Verständnis von Kunst ein Raumbildendes. In meinen Installationen und Objekten hinterfrage ich den vorgefundenen Raum, entwickle neue Wahrnehmungsräume und konzentriere mich auf den Klang (darin). Der gefundene Ton der Dinge und Umgebung ist Inspiration und Grundlage. Er ist mein Material, aus dem ich spielerisch forschend und dem jeweiligen Konzept folgend, das Klingen, Surren, Lärmen,
Klacken, Stecken, Krachen, Brummen – den spezifischen Klang, die spezifische Form herausfiltere. Die eigene akustische Erfahrung dient mir dabei als Resonanzkörper für eine offene Erkenntnisproduktion. So sammele ich zum Beispiel Windgeräusche und komponiere diese über Jahre hinweg, bringe einen Bahnhof zum Klingen oder stelle die neurowissenschaftliche Vermessung der Wahrnehmung zur Diskussion, in dem ich das Geräusch eines in der Hirnforschung verwendeten funktionellen Magnetresonanztomografen zu einer Raum-Zeit-Komposition verdichte.

www.annaschimkat.de

Daniela Lehmann

In ihren Performances begibt sich Daniela Lehmann gern auf Abwege. Sie erkundet mit ihren Bewegungskompositionen mit Vorliebe dem Tanz entrückte Orte in urbanen Räumen. Ihre Bewegungssprache ist inspiriert durch diese Landschaften, deren Texturen und den dort agierenden Menschen. Eine zentrale Methode ihrer Arbeitsprozesse ist die wertfreie Beobachtung, die es ermöglicht eigenartige Gesten mit Leichtigkeit in den abstrakten Tanz zu integrieren. So entwirft sie Personagen, die es wagen vom Betrachter als schräg und verrückt wahrgenommen zu werden, beispielsweise „Mina“ - ein Solostück mit dem sie den 1. Preis und den Publikumspreis für „Das beste deutsche Tanzsolo“ beim Festival euroscene gewann.

Daniela Lehmann ist ausgebildete Tänzerin und Choreografin, außerdem studierte sie Soziologie und Philosophie. Sie ist Mitglied im Zentralwerk e.V, und aktiv im TanzNetzDresden.Sie stellt immer wieder gängige Strukturen in Frage und kombiniert mit Neugier neu. Dies spiegelt sich auch im Prozess ihrer Produktionen, in denen sich neben darstellenden Künstlern auch bildende Künstler, Handwerker und andere Professionen treffen. Aktuell arbeitet sie mit einem Uhrmacher, einem E-Gitarristen und einem Cellisten an dem Stück NEBEN DER SPUR in dem die Bühnenlandschaft aus einem Autowrack und 100 Autoreifen besteht. Es hat am 1. September 2017 im Zentralwerk in Dresden Premiere.

www.danielalehmann.de