DIALOGFELD II

Design Displacement Group

Marthe Prins | Benedikt Weishaup

Marthe Prins (Amsterdam, NL) und Benedikt Weishaupt (Berlin, D) arbeiten seit 2014 zusammen. Die Themen ihrer Arbeit sind investigative Praktiken zur Designsprache der privatisierten Grenzsicherung (Frontex), alternative W-Lan-Infrastrukturen und die Optimierung der individuellen Lohnarbeit.

 

Ihre erste gemeinsame Arbeit Why One Internet – The Power of Mesh ist eine spekulative Auseinandersetzung mit alternativen kabellose Netzwerk-Infrastrukturen, welche von NGOs entwickelt werden und hinter ihrem altruistischen Anschein oft nur die geopolitischen Agenden von soft power und Neo-Feudalismus verstecken. (mit Gilles de Brock)

 

Mittels eine performativen Vorlesung am Royal College of Arts in London (mit der Design Displacement Group) reflektierten sie ihre Arbeitsweise in Zeiten von Optimierung und Automatisierung von Arbeit im Zeitalter des vernetzten Kapitalismus, in dem Unternehmen Arbeitseffizienz durch quantifizierte Meditationen und sogenannte Produktivitäts-Parties zu spiritualisieren versuchen. Die Design Displacement Group, ein Kollektiv aus 14 Individuen, verfolgt einen Ansatz der gemeinschaftlichen Produktion als Form der Ablehnung und des Protest gegen individualisierte Arbeit und höhlt so die individuelle Autorenschaft aus.

 

Für und mit We Are Here, einer Gruppe undokumentierter Geflüchteter, haben Weishaupt und Prins die widersprüchlichen Rechtssysteme untersucht, denen „abgelehnte“ Geflüchtete unterworfen sind, und eine Strategie zu deren Sichtbarmachung entworfen.

 

Während der Dialogfelder werden Prins und Weishaupt die Konzepte “Chaos“ (weiblich) „Ordnung“ (männlich) im gegenwärtiger rechtsgerichteter Rhetorik untersuchen und deren Verbindungen zu Joseph A. Schumpeters Werk Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie untersuchen. Besonderes Augenmerk wird auf der Deutung Schumpeters „Unternehmergeistes“ durch neoliberale und neurechte Intellektuelle liegen. Prins und Weishaupt hinterfragen die „Chaos-Theorien“ von Star-Intellektuellen wie Richard Florida und Jordan Peterson sowie deren Rolle in der Normalisierung einer ästhetisierten Politik. Beide Bestseller-Akademiker bedienen sich funktionierender akademischer Modelle des Maschinischen – Indices, Klassen und Pläne – und konstruieren Theorien durch Spekulation und aposphärische Bedeutungserfindungen. In der Diskussion der Rolle von Poesie und Performanz innerhalb heutiger, intellektualisierter rechter Agenden kommt der vielmals zu deren intellektuellen Untermauerung herangezogene Peterson ins Spiel.

Raphael Schhwegmann

Raphael Schwegmann (Dr. rer. nat.), Wirtschaftsgeograph und -historiker, lehrt am Institut für Geographie der Universität Münster. In seiner Dissertation ("Nacht-Orte", 2016 bei transcript erschienen) untersuchte er generelle Facetten des urbanen Nachtlebens im Spannungsfeld von Kultur und Ökonomie. Seine zweite Monographie ("Kraft-Horte", 2017 bei transcript erschienen) analysiert die Vergnügungstopographien von europäischen Großstädten als mobile Politikkonzepte, die zwischen Metropolen 'reisen' und so Netzwerke herstellen können.